Die Stadt Esslingen hat dem Gemeinderat ein Konzept vorgestellt, mit dem Schulen auf steigende Temperaturen reagieren sollen. Ziel ist, Unterrichtsbedingungen an heißen Tagen zu verbessern, gesundheitliche Risiken zu verringern und klare organisatorische Regeln für Schulen zu schaffen. Die Maßnahmen reichen von kurzfristigen Verhaltensregeln über mittelfristige bauliche Anpassungen bis zu langfristigen Sanierungsstrategien.
Messungen und kurzfristige Entlastungen
Kern des Konzepts ist eine systematische Datengrundlage: Innenraumtemperaturen sollen regelmäßig gemessen und dokumentiert werden. Zusätzlich werden Hitzewarnungen, der UV Index und die lokale Wetterlage in die Bewertung einbezogen. Die Schulleitung und das pädagogische Personal entscheiden vor Ort über notwendige Raumwechsel, angepasste Pausenzeiten oder andere Entlastungsmaßnahmen.
Als einfache Maßnahmen werden unter anderem das Verlegen des Unterrichts in kühlere Räume, frühmorgendliches Lüften und das Schließen der Fenster bei steigenden Außentemperaturen empfohlen. Auf Schulhöfen sollen gezielt Schattenbereiche genutzt und anstrengende Aktivitäten reduziert oder zeitlich verlegt werden. Wo es nötig ist, können mobile Klimageräte eingesetzt werden. Die Voraussetzungen an den einzelnen Standorten unterscheiden sich, deshalb sollen Maßnahmen standortabhängig umgesetzt werden.
Notfallregeln und organisatorische Vorgaben
Für besonders heiße Tage enthält das Konzept verbindliche Regeln. Sportliche und besonders belastende Angebote können entfallen, kühle Rückzugsräume sollen bereitgestellt werden. Der Unterricht kann verkürzt werden und Hitzefrei ist frühestens nach der vierten Stunde möglich, wenn um 11 Uhr mindestens 25 Grad im Schatten gemessen werden. Die Entscheidung trifft die Schulleitung möglichst in Abstimmung mit benachbarten Schulen. Die gymnasiale Oberstufe und berufliche Schulen sind von der Regelung ausgenommen. Ganztagsgrundschulen müssen eine Notbetreuung anbieten.
Die Stadtverwaltung betont die Bedeutung transparenter Kommunikation. Verlässliche Informationswege sollen sicherstellen, dass Schulleitungen, Lehrkräfte, Hausmeister und Eltern an Hitzetagen schnell und eindeutig informiert werden.
Mittelfristige Bauprojekte und Fördermöglichkeiten
Mittelfristig setzt die Stadt auf bauliche Verbesserungen: außenliegende Sonnenschutzsysteme wie Markisen oder Rollläden sollen ausgebaut werden, Schulgelände klimaangepasst werden durch mehr Grün, schattenspendende Bäume sowie Dach und Fassadenbegrünung. Außerdem sind bessere Dämmung und optimierte Lüftungssysteme geplant. Bei besonders belasteten Bestandsgebäuden könnte auch eine aktive Kühlung erforderlich werden, kombiniert mit energieeffizienten Lösungen und eigener Stromerzeugung.
Welche Maßnahmen umgesetzt werden, hängt vom jeweiligen Standort und von den verfügbaren Haushaltsmitteln ab. Die Stadt prüft Förderprogramme wie das Startchancenprogramm und KLIMOPASS. Förderfähig wären beispielsweise Hitzesegel, Trinkbrunnen, Entsiegelung oder Wasserspiele. Zunächst sollen Schulen mit besonders hohem Bedarf ausgewählt werden, um dort Maßnahmen zu erproben und weiterzuentwickeln.
Langfristige Perspektive und Vernetzung
Langfristig strebt Esslingen eine klimaresiliente Weiterentwicklung der Schulinfrastruktur an. Dazu gehören neue Baukonzepte und innovative Kühltechnologien. Die Maßnahmen für Schulen sollen an die Vorarbeit der Kitas anknüpfen; als Beispiel dient die Pilotkita Entengraben. Insgesamt sind die Schulmaßnahmen Teil des kommunalen Hitzeaktionsplans zur Anpassung an den Klimawandel und zur Absicherung besonders vulnerabler Gruppen.
Imke Preiß Abramowski von der Stabsstelle Schulentwicklungsplanung weist darauf hin, dass Hitze kein Komfortthema sei, sondern Gesundheit, Lernprozesse und Organisation berühre. Sie könne Konzentration, Leistungsfähigkeit und Gesundheit beeinträchtigen, weshalb ein abgestuftes Maßnahmenprogramm mit kurzfristigen Entlastungen, mittelfristigen Investitionen und langfristigen Sanierungsstrategien angestrebt wird.
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