Freitag, 13.02.2026

Schleuse Oberesslingen wird Prüfstand für Sanierungsverfahren im laufenden Betrieb

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Die Schleuse Oberesslingen wird für drei Jahre zum Versuchsfetrum für neue Verfahren zur Instandsetzung im laufenden Schifffahrtsbetrieb. In der rechten Kammer, die derzeit nicht regulär für die Schifffahrtsnutzung eingesetzt wird, sollen verschiedene Methoden erprobt werden, die künftig längere Sperrungen und teure Ersatzbauten vermeiden helfen.

Warum neue Techniken nötig sind

Deutschland verfügt über rund 7300 Kilometer Bundeswasserstraßen und 315 Schleusenanlagen. Etwa 260 dieser Schleusen haben nur eine Kammer. Viele Anlagen sind bereits seit mehr als 70 Jahren in Betrieb, was den Sanierungsbedarf steigen lässt. „Man rechnet damit, dass ein Schleusentor etwa 70 Jahre hält“, sagte Klaus Michels, Leiter des Wasserstraßen Neubauamts Heidelberg. An den Betonbauteilen müsse nach etwa 100 Jahren gearbeitet werden, um die Stabilität zu erhalten, so Michels weiter. Bei herkömmlichen Instandsetzungen wird die betroffene Kammer oft über Jahre gesperrt. Fehlt eine zweite nutzbare Kammer, führt das zu erheblichen Einschränkungen im Güter- und Personenverkehr.

Standort und Beteiligte

Als Versuchsstandort wurde die knapp 60 Jahre alte Neckarschleuse Oberesslingen ausgewählt. Die rechte Kammer dient bislang als Sparkammer, also als Wasserreserve für Niedrigwasserphasen. „Sie besitzt eine zweite Kammer, die nicht für die Schifffahrt genutzt wird“, erläuterte Marc Schmitz von der Bundesanstalt für Wasserbau. Abgesehen von einer mobilen Toranlage verfügt diese Kammer über die gleiche Ausrüstung wie die reguläre Schleusenkammer und über die nötige Standsicherheit.

Das Vorhaben ist Teil eines Forschungs und Entwicklungsprojekts des Bundesministeriums für Verkehr. Beteiligt sind das Wasserstraßen Neubauamt Heidelberg, die Bundesanstalt für Wasserbau, das Karlsruher Institut für Technologie sowie mehrere Ingenieur und Bauunternehmen.

Versuchsaufbau und Ablauf

Die Arbeiten gliedern sich in zehn einzelne Versuche, die über einen Zeitraum von drei Jahren in der rechten Kammer durchgeführt werden. Die Tests finden tagsüber in zwölfstündigen Zeitfenstern statt, um den Arbeitsablauf unter Bedingungen zu simulieren, wie sie bei einer Instandsetzung unter Betrieb vorkämen. Geprüft werden unter anderem unterschiedliche Verfahren zur Trockenlegung der Kammer, zum Abtrag von Beton und zur Reprofilierung mit verschiedenen Materialien. Zum Einsatz kommen Fertigteile sowie unterschiedliche Betonmischungen.

Vorbereitende Maßnahmen sind bereits gestartet. Die Sohle der sechs Meter tiefen Schleuse wurde ertüchtigt und mit Entlastungsbrunnen versehen, um Bewegungen der Platte zu verhindern. Zudem wird eine vier Meter hohe Lärmschutzwand errichtet, um Anwohnerinnen und Anwohner zu schützen.

Ziele und erwartete Folgen

Die Projektbeteiligten wollen mit den Versuchen vor allem Erkenntnisse zur Praxistauglichkeit, Robustheit, den Kosten und dem Zeitbedarf gewinnen. Gelingt die Umsetzung, könnten in Zukunft Schleusen grundlegend instandgesetzt werden, ohne sie über lange Zeiträume vollständig sperren zu müssen. Nach Angaben des Wasserstraßen Neubauamts Heidelberg sind durch die Arbeiten keine Einschränkungen für die Anwohnerinnen und Anwohner zu erwarten.

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