Donnerstag, 05.02.2026

Esslingen will Busnetz bis Ende 2026 vollständig elektrifizieren

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Der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen will den gesamten städtischen Linienverkehr bis Ende 2026 auf Elektrobetrieb umstellen. Grundlage sind der Ausbau des Oberleitungsnetzes um rund fünf Kilometer und die Anschaffung von 52 neuen Oberleitungsbussen. Nach Angaben des Verkehrsbetriebs schreiten sowohl die Bauarbeiten als auch die Fahrzeugproduktion planmäßig voran.

Ausbau der Oberleitungen in mehreren Bauabschnitten

Erste Abschnitte des Ausbaus wurden bereits fertiggestellt. Im vergangenen Winter schloss der Verkehrsbetrieb den Ausbau in der Pliensauvorstadt ab. Dort verläuft die neue Oberleitung in der Stuttgarter Straße auf einer Länge von etwa 1,1 Kilometern. Bislang sind die Oberleitungsbusse dort nur zu Testzwecken unterwegs. Technischer Werkleiter Johannes Müller erklärte, die Strecke könne endgültig in Betrieb genommen werden, sobald die zusätzlichen Fahrzeuge mit der Oberleitungstechnik geliefert werden.

Im Herbst wurde ein weiterer Ausbauabschnitt auf dem Zollberg vollendet. Die Busse können künftig an der Haltestelle Nellinger Linde an die Oberleitung andocken und bis in den Jusiweg fahren. Für den Verkehrsbetrieb ist dies wichtig, weil die Busse ab dem Pliensauturm die Steigung nach Berkheim ausschließlich aus der Batterie bewältigen und deshalb an möglichst vielen Stellen wieder an die Oberleitung angeschlossen werden sollen.

Nächste Schritte und technische Anpassungen

Seit Dezember 2025 läuft der dritte von vier geplanten Bauabschnitten. Die Arbeiten erstrecken sich von der Rotenackerstraße in Richtung Neckar Forum und umfassen rund 1,3 Kilometer. Nach dem Setzen der ersten Masten soll dieser Abschnitt voraussichtlich Ende April fertiggestellt sein. Die Oberleitung wird dort nur in städtauswärtiger Richtung installiert. Der Werkleiter begründete das damit, dass die Busse beim Bergabfahren rekuperieren und so Energie zurückgewinnen.

Auf dem Zollberg wurde erstmals eine Weiche eines neuen Herstellers installiert. Insgesamt gibt es rund zwei Dutzend Weichen im Stadtgebiet, die nach und nach gegen das modernere System ausgetauscht werden sollen. Die 52 neuen Fahrzeuge sind mit diesen Weichen kompatibel. Ältere Busse des Fuhrparks sollen entsprechend umgerüstet werden.

Bauablauf an kritischen Knotenpunkten und Verkehrseinschränkungen

Für die Montage der Masten und das Einziehen der Oberleitungen sind an einigen Stellen besondere logistische Lösungen notwendig. Als Herausforderung nannte Müller den Bereich Hirschlandkopf. Dort sollen die Masten voraussichtlich Mitte Februar gesetzt und die Oberleitung im April gezogen werden. Die Arbeiten dienen zugleich als Übung für den komplexeren Ausbau auf dem Altstadtring.

Der Altstadtring und insbesondere die Maille Kreuzung stehen ab Sommer auf dem Bauprogramm. Zwischen Schelztorhalle und Maille Kreuzung sollen bis Jahresende Oberleitungen in beiden Fahrtrichtungen installiert werden. Größere Einschränkungen erwartet der Verkehrsbetrieb an der Maille Kreuzung und an der Kreuzung am Neckar Forum. Dort werden der Bauablauf mit allen Beteiligten abgestimmt und zeitweise Nachtarbeiten geplant, um die Belastung des Tagesverkehrs zu verringern. In weniger kritischen Bereichen soll die Arbeit als sogenannte Wanderbaustelle erfolgen und den Verkehr an den vier vorhandenen Fahrspuren vorbeiführen.

Lieferung und Erprobung der neuen Oberleitungsbusse

Parallel zum Netzausbau läuft die Fahrzeugproduktion beim Hersteller Škoda Electric. Die Fertigung beginnt Anfang März. Voraussichtlich im Juni werden die ersten beiden neuen Oberleitungsbusse geliefert, ein Standardfahrzeug und ein Gelenkbus. Diese beiden Fahrzeuge dienen nach Angaben des Verkehrsbetriebs sowohl für umfangreiche Tests als auch zur Beantragung der Zulassung beim Regierungspräsidium.

Nach einer Testphase sollen die restlichen Fahrzeuge im Spätsommer ausgeliefert werden, um eventuelle Nachbesserungen aus der Erprobung zu ermöglichen. Ziel ist, dass bis Ende des Jahres alle 52 neuen Busse eingetroffen sind. Zusammen mit den bereits vorhandenen zehn Oberleitungsbussen wäre der kommunale Fuhrpark dann vollständig elektrisch betrieben.

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