Donnerstag, 01.01.2026

Esslingen berichtet Fortschritte bei mehrjähriger Sanierung der Burganlage

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Die Stadt Esslingen hat nach eigenen Angaben neun von zwölf geplanten Sanierungsabschnitten an der Burg abgeschlossen. Die Arbeiten an dem historisch geschützten Bauwerk laufen seit mehr als einem Jahrzehnt und umfassen Reparaturen an Dächern, Mauern, Treppen und der Infrastruktur. Ein 2016 verabschiedeter Masterplan soll den langfristigen Erhalt der Anlage sichern.

Erste Abschnitte und handwerkliche Restaurierung

Den Auftakt bildete zwischen 2010 und 2011 die Sanierung des denkmalgeschützten Dachs der Burgstaffel. Die Stadt investierte dafür rund 750 000 Euro; hinzu kamen etwa 550 000 Euro aus Fördermitteln und Spenden. Wegen der schwierigen Lage vor Ort war der Einsatz von Maschinen kaum möglich. Die Abnahme, Reinigung und Wiedereinsetzung der teils über 500 Jahre alten Ziegel erfolgte weitgehend in Handarbeit. Beschädigte Ziegel wurden nach historischen Formen nachgefertigt, und der Mörtel wurde nach alten Rezepten mit Dachhaaren versetzt, um die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Am Durchgang zum Burghof rekonstruierte die Stadt einen Quadratmeter mit originaler Mönch und Nonnenziegeldeckung, wie sie auch bei Ausgrabungen unter dem Marktplatz gefunden wurden.

Folgeabschnitte und Stabilisierung weiterer Bereiche

Direkt im Anschluss wurden in den Jahren 2012 und 2013 der Seilergang nach demselben Prinzip saniert. Für diesen Abschnitt flossen rund 570 000 Euro, wovon 210 000 Euro durch Fördermittel gedeckt wurden. 2015 folgte die Melac Staffel vom Burgrestaurant hinunter zur Beutauklinge. Für diese Maßnahme wurden 450 000 Euro aufgewendet, ergänzt durch 150 000 Euro Fördergelder. Fast zeitgleich stabilisierte die Stadt eine marode Mauer zwischen Melac Staffel und Burgschenke.

Im Bereich des Pulverturms musste die Anlage zunächst für die Öffentlichkeit geschlossen werden, weil herabfallende Steine zu befürchten waren und die Fensterbögen statisch nicht mehr in Ordnung waren. In zwei Abschnitten, 2019 und in Arbeiten, die 2024 und 2025 stattfanden, wurde der Turm gesichert, das Mauerwerk konsolidiert, die vorhandene Treppe ertüchtigt und Beleuchtung installiert. Nach Angaben der Städtischen Gebäude Esslingen ist der Pulverturm ab dem kommenden Jahr wieder öffentlich zugänglich.

Freilegung, Schutzmaßnahmen und Infrastruktur

Zwischen 2022 und 2024 wurde die Mauer zwischen Pulverturm und Dicken Turm saniert. Sie war jahrzehntelang von Efeu überwuchert, so dass ihr Zustand nur nach vollständiger Freilegung eingeschätzt werden konnte. Dabei mussten zahlreiche Sandsteine ersetzt werden. Um die Mauer dauerhaft zu schützen, erhielt sie eine massive Steinabdeckung an der Oberkante, damit Regenwasser schneller abläuft und neue Wurzeln keine Gelegenheit zum Eindringen finden. 2025 wurde zudem der Bauabschnitt mit einer neuen öffentlichen WC Anlage abgeschlossen, für den rund 400 000 Euro aufgewendet wurden.

Masterplan, Finanzierung und Ausblick

Bereits 2016 hatte der Gemeinderat einen umfassenden Masterplan für die Burg beschlossen, der als Leitlinie für die aufeinanderfolgenden Sanierungsabschnitte dient. Die Projekte werden demnach mit einer Kombination aus städtischen Mitteln, Fördergeldern und Spenden finanziert. Nach Abschluss des neunten Abschnitts sind noch drei Bereiche des Masterplans offen: die Maueranlage vom Pulverturm zur Burgschenke, der Kanonenbuckel sowie die stark zugewachsene Burgmauer vom Dicken Turm hinunter zur Landolinsgasse. Letzterer Abschnitt gilt als technisch sehr aufwändig und ist derzeit zurückgestellt.

Der technische Betriebsleiter der Städtischen Gebäude Esslingen, Oliver Wannek, betont den dauerhaften Aufwand, den ein denkmalgeschütztes Bauwerk verlangt. Er weist darauf hin, dass Ziegel, Holz und Stein alle fünf bis zehn Jahre überprüft und gegebenenfalls erneuert werden müssen. Nach seiner Darstellung beginnt mit dem Abschluss von Bauabschnitt zwölf praktisch wieder ein neuer Zyklus der Pflege und Instandsetzung, wenn die Burg dauerhaft als bedeutende Sehenswürdigkeit erhalten bleiben soll.

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